Ungarn nimmt Kinderwunschzentren wegen sinkender Geburtenraten unter staatliche Kontrolle

Sechs privat finanzierte Fertilitätskliniken werden ab dem 1. Januar 2020 laut Euronews unter staatliche Kontrolle genommen. Der ungarische Premierminister Viktor Orban möchte auf diese Weise die sinkende Geburtenrate des Landes aufhalten.

Orban will die Geburtenrate unabhängig von Einwanderungen erhöhen. Die Regierung hat auch neue Steuervergünstigungen, Darlehen und andere Vergünstigungen für Familien beschlossen.

Fruchtbarkeitstests, Medikamente zur Behandlung von Unfruchtbarkeit und reproduktionsmedizinische Behandlungen werden zudem kostenlos angeboten. In Zukunft soll es keine Wartelisten mehr für künstliche Befruchtungen geben.

Unklar ist, ob Fruchtbarkeitsbehandlungen auf heterosexuelle Paare beschränkt sein wird.

Wie viele andere europäische Nationen leidet Ungarn unter einer alternden Bevölkerung und sinkenden Geburtenraten. Gleichzeitig leben die Menschen immer länger.

Laut Professor Geza Nagy Kaali, der Gründerin einer Budapester IVF-Klinik, haben 20 – 25% aller ungarischen Paare mit Kinderwunsch Fruchtbarkeitsprobleme.

Die gesetzlichen Regelungen für die In-vitro-Fertilisation (IVF) und andere Behandlungen der assistierten Fertilität (ART), einschließlich der Verwendung von Spendersamen, sind in den europäischen Ländern sehr unterschiedlich.

Im Oktober lösten Gesetzesänderungen in Frankreich, die alleinstehenden Frauen und lesbischen Paaren den Zugang zur In-vitro-Fertilisation (IVF) ermöglichen sollten, Straßenproteste aus. Frankreich beschränkt die Fruchtbarkeitsbehandlung derzeit auf heterosexuelle Paare, die strenge medizinische Kriterien erfüllen können.

Spanien verfügt über sehr liberale reproduktionsmedizinische Gesetze, die allen Frauen über 18 Jahren unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung oder ihrem Beziehungsstatus Behandlungen ermöglicht. In Deutschland und Italien hingegen sind Kinderwunschbehandlungen stark reguliert.

Dänemark hat bereits in 2007 ein Gesetz über den Zugang zur IVF auch für alleinstehende Frauen und schwule Paare verabschiedet.