Großbritannien: Mangelnde psychologische Unterstützung für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch

Nur die Hälfte derjenigen, die in UK psychologische Unterstützung für den Umgang mit Unfruchtbarkeit benötigen, erhält auch Hilfe. Das ist das Ergebnis einer neuen britischen Studie, die in der Fachzeitschrift Human Fertility veröffentlicht wurde. Viele Frauen kämpfen mit Angstzuständen, Depressionen oder Selbstmordgedanken.

Für die Studie entwickelten die Forscher eine aktualisierte Online-Version einer Umfrage aus dem Jahr 1997.

Fast 800 Befragte, die Probleme mit unerfülltem Kinderwunsch hatten (davon 80% mit Kinderwunschbehandlung), haben die Umfrage abgeschlossen.

Die Ergebnisse zeigen, dass trotz einiger Verbesserungen seit 1997 bei der Finanzierung und Verfügbarkeit von Kinderwunschbehandlungen (wie IVF) und psychologischer Unterstützung die Belastungsniveaus hoch bleiben. Die Befragten gaben an, sich im Durchschnitt fast „die ganze Zeit“ traurig, frustriert und besorgt zu fühlen, wobei 42% zumindest „gelegentlich“ sogar Selbstmordgefühle verspürten.

Die negativen Gefühle waren unabhängig davon, ob die Befragten in Fruchtbarkeitsbehandlung waren oder nicht.

Die Mehrheit der Befragten (75%) bekundete Interesse an einer Beratung, um mit ihren negativen Emotionen umzugehen, wenn sie kostenlos wäre. Aber nur 45% erhielten tatsächlich eine Beratung, und über die Hälfte von ihnen musste einen Teil davon selbst finanzieren. Dies war allerdings eine Verbesserung gegenüber 1997, als nur 31% eine Beratung erhielten und fast 88% diese selbst finanzieren mussten.

Darüber hinaus musste mehr als die Hälfte (55%) der Befragten zumindest einen Teil ihrer Behandlung für künstliche Befruchtung selbst bezahlen.

1997 mussten noch 75% selbst zahlen. Die Studie ergab, dass die überwiegende Mehrheit Kosten in Höhe von über 5.000 GBP (5.865 Euro) zu tragen hatte.

Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass 68% derjenigen, die eine künstliche Befruchtung durchgeführt hatten, mindestens einmal nicht schwanger geworden waren. 31% erreichten eine Schwangerschaft, aber mindestens einmal keine Lebendgeburt.

Patienten sind häufig sehr verletzlich, nachdem sie jahrelang versucht haben, Eltern zu werden. Ungewollte Kinderlosigkeit und die Durchführung von Fruchtbarkeitsbehandlungen können die körperliche und geistige Gesundheit einer Person, aber auch ihr finanzielles Wohlbefinden enorm belasten, wenn sie die Behandlung selbst bezahlen müssen.

Da die überwiegende Mehrheit (über 90%) der Befragten aus weißen Frauen besteht, empfehlen die Forscher, dass sich weitere Studien auf die Auswirkungen der unfreiwilligen Kinderlosigkeit auf Männer und Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund konzentrieren sollten.