Aufstieg der Fruchtbarkeits-Start-Ups

Mit fortschreitender Entwicklung der Reproduktionsmedizin wachsen auch die Optionen für angehende Mütter und Väter.

Allein im Laufe des Jahres 2019 haben Investoren laut eines Berichts der New York Times mehr als 150 Millionen US-Dollar in Start-Ups wie Modern Fertility und EverlyWell gesteckt. Die Unternehmen bieten Fruchtbarkeitstests für Frauen zu Hause an für jeweils 159 US-Dollar.

Dadi kann Spermien testen, einfrieren und lagern (ab 99 US-Dollar). Das Start-up Kindbody möchte das Einfrieren von Eizellen und dessen Preisgestaltung transparenter machen (Beratung kostet 300 US-Dollar).

Andere Unternehmen arbeiten mit Arbeitgebern zusammen, um Mitarbeitern finanzielle Benefits für Fertilitätsbehandlungen anzubieten, wie beispielsweise die Carrot Fertility.

Das Marktforschungsunternehmen CB Insights schätzt den globalen Markt für Fruchtbarkeit auf 25 Milliarden US-Dollar.

„Es geht um große gesellschaftliche Veränderungen“, sagt Kirsten Green von Forerunner Ventures, die Anfang dieses Jahres eine Serie-A-Runde im Wert von 15 Millionen US-Dollar für Modern Fertility anführte. „Menschen denken darüber nach, wie sie ihre Fruchtbarkeit im Hinblick auf Karriere und Beziehung ausbalancieren können. Wann ist der richtige Zeitpunkt für Kinder? Das Leben ist komplizierter geworden.“

Vor 12 Jahren betrugen die Investitionen in Fruchtbarkeits-Start-Ups laut CB Insights noch weniger als 10 Millionen US-Dollar. Bis heute haben sich die Investitionen mehr verfünfzehnfacht.

Gina Bartasi, Geschäftsführerin von Kindbody und Gründerin von Progyny glaubt, dass der Haupttreiber das wachsende Bewusstsein für Fruchtbarkeitsbehandlungen ist. „Viele haben selbst eine Behandlung hinter sich oder kennen jemanden, der eine künstliche Befruchtung gemacht hat“, sagt sie. „Es wird immer sichtbarer, wie stark die Menschen emotional betroffen sind und welche finanziellen Belastungen damit verbunden sind.“

Die geringe Kundenzufriedenheit im Gesundheitswesen und der Mangel an Investitionen in weibliche Gesundheit werden als Chance erkannt. Das sieht auch Debora Spar so, Professorin an der Harvard Business School. „Ich werde von Studenten belagert, die in diesem Bereich arbeiten wollen“, sagt sie. „Bei Frauen und Männern besteht ein starkes Bewusstsein, dass das Thema vernachlässigt wurde, weil es um die Gesundheit von Frauen geht.“

Die Finanzierungsrunden befinden sich überwiegend in einem frühen Stadium uns sind im Vergleich zu den Investitionen in andere Wachstumsthemen eher gering.

Die Technologie, die hinter vielen dieser Unternehmen steckt, ist nicht radikal neu. Das Einfrieren von Spermien ist seit den 1970er Jahren verbreitet, und die weiblichen Hormontests sind die gleichen, die Frauen in einer Arztpraxis durchführen können. Apps für das Tracking von Regelblutungen und Ovulationen sind sehr praktisch, unterliegen aber nicht den Datenschutzstandards einer Arztpraxis.

Für Dr. Marcelle Cedars, Leiterin der Abteilung für reproduktive Endokrinologie und Unfruchtbarkeit am Medical Center der Universität von Kalifornien in San Francisco, ist der größte Vorteil dieser Entwicklung ein gesteigertes Bewusstsein für Fruchtbarkeitsprobleme. Wenn junge Männer und Frauen ihre Testergebnisse besorgniserregend finden, könnte es sie anspornen, früher zum Arzt zu gehen, als sie es sonst tun würden.

Wenn Start-ups die Kosten für Diagnosen und Behandlungen senken und den Zugang verbessern, können auch immer mehr Paare innovative Methoden der Reproduktionsmedizin nutzen.